Weizen, Roggen und Gerste sollten für eine sichere Lagerung auf etwa 14 % Kornfeuchte oder darunter gebracht werden. Bei Hafer liegt der Richtwert niedriger, bei etwa 12 %. Die im Handel häufig verwendeten 14,5 % sind nicht automatisch die optimale Lagerfeuchte. Zusätzlich muss das Getreide gekühlt werden; als praktischer Zielbereich gelten etwa 10–13 °C.
| Getreideart | Richtwert für trockene Lagerung |
|---|---|
| Weizen | ≤ 14 % |
| Roggen | ≤ 14 % |
| Gerste | ≤ 14 % |
| Hafer | ≈ 12 % |
14,5 % Handelsfeuchte sind nicht automatisch lagerstabil
Die mögliche Lagerdauer hängt stark von der Korntemperatur ab. Bei Getreide mit 14,5 % Feuchte kann eine Abkühlung von 24 auf 10 °C die mögliche Lagerzeit ungefähr verfünffachen.
Deshalb sind 14,5 % bei 10 °C und 14,5 % bei 24 °C lagertechnisch zwei völlig unterschiedliche Situationen. Wer nur den Feuchtewert kontrolliert, übersieht einen wesentlichen Teil des Risikos.
Auf welche Temperatur sollte Getreide gekühlt werden?
Ein sinnvoller Zielbereich im Getreidestapel liegt bei etwa 10–13 °C. Unter 15 °C entwickeln sich Vorratsschädlinge deutlich schlechter; Insekten vermehren sich in trockenem Getreide bei diesen Temperaturen nicht weiter.
Wichtiger als ein niedriger Einzelwert ist eine möglichst gleichmäßige Temperatur im gesamten Lager. Warme Zonen können lokal Feuchtigkeit verlagern und später zu Kondensation, Schimmel oder Schädlingsbefall führen.
Wann darf mit Außenluft belüftet werden?
Getreide ist hygroskopisch und steht mit der umgebenden Luft im Feuchtegleichgewicht. Für die reguläre Außenluftbelüftung von trockenem Getreide ist eine relative Luftfeuchte von etwa 65 % oder weniger ein wichtiger Orientierungswert.
Bei 20 °C stehen etwa 14 % Kornfeuchte bei Weizen mit ungefähr 65 % relativer Luftfeuchte im Gleichgewicht. Feuchtere Luft kann trockenes Getreide wieder anfeuchten.
Entscheidend sind Temperatur und Luftfeuchte gemeinsam. Warme Luft sollte nicht in bereits gekühltes Getreide eingeblasen werden, weil dadurch Kondensation und Pilzwachstum begünstigt werden können.
Wann reicht Belüften nicht mehr aus?
Je höher die Kornfeuchte, desto stärker muss die Lagertechnik ausgelegt sein. Die folgenden Werte sind technische Einsatzgrenzen der Verfahren und keine universellen Sicherheitsgrenzen:
| Verfahren | Kornfeuchte | Ziel |
|---|---|---|
| Außenluftkühlung | < 16 % | Kühlung |
| Minimalbelüftung | < 18 % | Wärmeabführung |
| Lagerbelüftungstrocknung | < 20 % | Trocknung und Kühlung |
Feuchtes Getreide lässt sich also nicht einfach durch längeres Einschalten eines kleinen Lüfters sicher lagern. Ab höheren Feuchten muss das Belüftungssystem für die notwendige Luftleistung und Trocknung ausgelegt sein.
Eine Probe beschreibt nicht das ganze Lager
Ein Feuchtemesser zeigt nur den Zustand der entnommenen Probe. Im Silo können gleichzeitig trockene und deutlich feuchtere Bereiche vorhanden sein, etwa durch unterschiedliche Erntebedingungen, Verunreinigungen oder ungleichmäßige Verteilung beim Befüllen.
Schüttkegel sollten deshalb eingeebnet und das Getreide vor der Einlagerung gereinigt werden. Eine gleichmäßige Schüttung verbessert die Luftverteilung und reduziert Stellen, an denen Wärme und Feuchtigkeit schlechter abgeführt werden.
Wie zuverlässig ist ein Kornfeuchtemesser?
Die Messung hängt auch von der Temperatur der Probe ab. Ein geeignetes Gerät sollte Temperaturunterschiede zwischen Korn und Umgebung berücksichtigen.
Den betriebseigenen Feuchtemesser sollte man regelmäßig mit einem Referenzgerät vergleichen. Sinnvoll ist mindestens einmal jährlich eine Parallelmessung mit einem geeichten oder überprüften Gerät.
Wie oft sollte das Lager kontrolliert werden?
Während der ersten Lagerphase sollten Kornfeuchte und Temperatur regelmäßig an denselben Messpunkten kontrolliert werden. Bis Ende Oktober empfiehlt sich mindestens eine Kontrolle im Abstand von 14 Tagen.
Ein lokaler Temperaturanstieg ist ein Warnsignal. Er kann auf Insekten, Milben oder Schimmel hinweisen, noch bevor sichtbare Schäden oder ein auffälliger Geruch auftreten.