Warum rollen sich Tomatenblätter ein?

Rollen sich vor allem ältere, ansonsten grüne Tomatenblätter nach oben ein, steckt häufig keine Krankheit dahinter. Typisches Blattrollen oder eine sogenannte Löffelblättrigkeit kann durch Trockenstress, ungleichmäßige Wasserversorgung, starke Düngung, Salzstress oder intensives Ausgeizen ausgelöst werden. Kritischer sind stark deformierte junge Blätter, Vergilbungen, Mosaikmuster oder deutlich gehemmter Wuchs.

SchadbildZuerst prüfen
Ältere Blätter rollen sich nach oben, bleiben grünphysiologisches Blattrollen
Junge Blätter sind schmal, verdreht und stark deformiertHerbizidschaden
Junge Blätter kräuseln sich, Blattläuse oder Honigtau sichtbarBlattläuse
Blätter rollen sich leicht nach unten, Honigtau und weiße InsektenWeiße Fliege
Blattrollen mit Vergilbung, Mosaik und schwachem WuchsVirusverdacht
Flecken, Beläge oder Nekrosen treten zuerst aufBlattkrankheit

Wann ist das Blattrollen meist harmlos?

Physiologisches Blattrollen beginnt häufig an älteren Blättern. Die Blattränder rollen sich nach oben, während die Blätter grün bleiben und die Triebspitze normal weiterwächst.

Typische Auslöser sind Trockenheit, starke Schwankungen der Bodenfeuchte, hohe Salzkonzentrationen nach kräftiger Düngung sowie starkes Ausgeizen. Auch abrupte Temperaturänderungen können die Reaktion verstärken.

In diesem Fall sollte nicht automatisch gegossen oder nachgedüngt werden. Zuerst die Bodenfeuchte prüfen und die letzten Kulturmaßnahmen kontrollieren. Bereits eingerollte Blätter müssen sich nach einer Verbesserung der Bedingungen nicht wieder vollständig entfalten. Entscheidend ist, ob neue Blätter normal wachsen.

Stark deformierte junge Blätter können auf Herbizide hinweisen

Ein anderes Schadbild sind sehr schmale, verdrehte oder ungewöhnlich gekrümmte Blätter an der Triebspitze. Hier sollte ein Herbizidschaden berücksichtigt werden, besonders wenn kurz zuvor neuer Mist, Kompost oder anderes organisches Material eingebracht wurde.

Problematisch können Rückstände persistenter Wirkstoffe wie Aminopyralid sein. Sie können über behandeltes Grünland in Futter und anschließend in Pferde- oder Rindermist gelangen. Tomaten reagieren bereits auf geringe Mengen empfindlich.

Verdächtig ist ein zeitlicher Zusammenhang: Die Pflanzen wachsen zunächst normal und bilden nach dem Einbringen des Materials plötzlich stark verformte neue Triebe. Treten ähnliche Schäden gleichzeitig an anderen empfindlichen zweikeimblättrigen Pflanzen auf, spricht das zusätzlich für eine Herbizidbelastung.

Blattunterseiten auf Schädlinge kontrollieren

Bei gekräuselten jungen Blättern sollten zuerst die Triebspitzen und Blattunterseiten kontrolliert werden. Blattläuse sitzen bevorzugt an jungen Pflanzenteilen und können dort deutliche Verformungen verursachen. Typische Hinweise sind Kolonien, Häutungsreste und klebriger Honigtau.

Im Gewächshaus ist außerdem die Weiße Fliege relevant. Die Tiere sitzen meist auf der Blattunterseite. Bei stärkerem Befall entstehen Honigtau, Blattverformungen und später häufig schwarze Rußtaupilze auf den klebrigen Flächen.

Ein eingerolltes Blatt allein reicht dagegen nicht aus, um einen Milbenbefall zu diagnostizieren. Bei der Tomatenrostmilbe treten zusätzlich braune Verfärbungen an Stängeln und Blattstielen, eintrocknende Blätter und teilweise korkige Schäden an jungen Früchten auf.

Wann kommt eine Viruskrankheit infrage?

Blattrollen allein ist kein ausreichendes Virussymptom. Verdächtiger ist die Kombination aus deformiertem Neuwuchs, Vergilbung oder Mosaik, kleinen Blättern, verkürzten Internodien und deutlich gebremstem Wachstum.

Auch Blüten- und Fruchtentwicklung können beeinträchtigt sein. Eine genaue Virusdiagnose lässt sich anhand des Blattbildes jedoch nicht zuverlässig stellen. Stark betroffene Pflanzen sollten deshalb getrennt beurteilt werden, statt allein wegen eingerollter Blätter einen bestimmten Erreger anzunehmen.

So lässt sich die Ursache schnell eingrenzen

  1. Alte oder junge Blätter? Rollen sich nur ältere grüne Blätter, zuerst an physiologischen Stress denken.
  2. Farbe und Oberfläche prüfen. Mosaik, Vergilbung, Flecken oder Beläge sind diagnostisch wichtiger als die reine Blattform.
  3. Blattunterseiten ansehen. Nach Blattläusen, Weißen Fliegen und Honigtau suchen.
  4. Bodenfeuchte und Düngung prüfen. Sowohl Trockenstress als auch starke Düngung können Blattrollen auslösen.
  5. Neue Materialien berücksichtigen. Nach Mist, Kompost oder Mulch aus neuer Quelle bei stark deformiertem Neuwuchs auch an Herbizidrückstände denken.

Wenn Flecken, Beläge oder Nekrosen bereits vor dem Einrollen der Blätter sichtbar waren, sollte die Diagnose nach diesen Symptomen erfolgen. Das Blattrollen ist dann meist eine Folge der Schädigung und nicht das eigentliche Hauptsymptom.